Dass muss weh getan haben, als die DDR-Oppositionelle Daniela Dahn mit all ihren Hoffnungen auf ein neues, bitteschön, besseres Deutschland, in der Bundesrepublik ankam. Die Dahn ist sehr klug, sehr verletzlich und mit einer unbedingten Ehrlichkeit begabt. Sie ist eine engagierte Deutschländerin: »Patriotismus bedeutet für mich ein durch gemeinsame Sprache, Kultur und Gesetzgebung vermitteltes Gefühl von gesteigerter Zuständigkeit.«

In einer Reihe von Reden und Aufsätzen kommt sie ihrer Zuständigkeit, ihrer Pflicht zur genauen Beobachtung nach, wenn sie feststellt, dass Parlamente und Wähler zunehmend weniger zu sagen haben und: »Das Primat des Marktes schließt das Primat des Denkens aus.«

Immer noch ein wenig staunend erinnert sie an die Sozialplflichtigkeit des Eigentums und daran, dass Enteignung, glaubt man dem Grundgesetzt, zum Wohle des Volkes möglich sind.

Dahns kühle Analyse der deutschen Armut - nach Eu-Kriterien lebt die Hälfte der Bevölkerung in Armut - folgt eine leidenschaftliche Anklage sozialer Missverhältnisse, denn auf zehn Prozent der Haushalte entfällt 42 Prozent des Privatvermögens. Und dass es rund hundert Milliardäre in ihrem Land gibt aber mehr als drei Millionen Sozialhilfeempfänger erfüllt sie mit Scham und Zorn. Schließlich ist sie sich sicher, dass wir in Zeiten des demokratischen Abbruchs leben und »Es gibt keine systeminterne Lösung mehr. Die Demokratie braucht eine andere Wirtschaftsordnung.«

Am Ende des quantitativ schmalen, qualitativ reichen Bandes gelingt der Autorin ein fröhliches Plädoyer für die Paradiesschlange. Immerhin sei die Schlange die erste die in dem todlangweiligen Paradiese die Neugier eingebracht habe und den Zweifel, ohne den die Vollkommenheit nichts als ein Zustand des Stillstands sei.

Daniela Dahn ist dort zu finden, wo die Wahrheit versucht die Gerechtigkeit ans Licht zu zerren. Eine mühsame Arbeit die der Autorin mit einer klaren Sprache und feiner Ironie gelingt.


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