"Die Truppen sichern Kabul und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Aufbauhilfe, zur Verteidigung der Frauenrechte, der Abwehr gegen den Terrorismus der Warlords und unterstützen die rechtmäßige Regierung bei ihrem Kampf gegen den Analphabetismus". Nein, das ist keine Meldung rund um die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan, soeben vom Bundestag in einer Mega-Koalition (mit 535 von 553 abgegebenen Stimmen) beschlossen. Das Sinn-Zitat stammt aus den 80er Jahren, als sowjetische Truppen versuchten ihr Marionettenregime gegen die Mudjahedin zu verteidigen.

Trotz der jüngst durchgeführten Wahlen in Afghanistan besteht kaum ein Zweifel daran, dass weite Teile der Bevölkerung die Zentralregierung in Kabul nicht stützen. Ebenso außer Frage steht, dass die Kämpfe zwischen Truppen der USA und diverser Warlords andauern. Tote Zivilisten, je nach Beobachter wird von 5 - 10.000 gesprochen, sind die allfälligen Kolateralschäden dieses Kriegs, der unter dem Begriff "Terrorbekämpfung" als Polizeiaktion verkauft wird.

Begonnen hat der Afghanistan-Krieg unter deutscher Beteiligung vor vier Jahren als ein nicht von der deutschen Verfassung abgedeckter NATO-Bündnisfall: Osama Bin Laden sollte gesucht und gefangen und die al Kaida-Strukturen zerschlagen werden. Der Aufenthalt von Bin Laden ist unbekannt, die al Kaida-Gruppen sind jetzt weitgehend im Irak. Bis heute ist nicht letztlich geklärt, ob der im Oktober 2001 begonnene Krieg nur der Zerschlagung terroristischer Strukturen oder der Ausbeutung beträchtlicher Gasvorkommen in Turkmenistan unter der Führung des amerikanische Energie-Konzerns UNOCAL dienen sollte. Es steht zu vermuten, das man bei Ziele parallel erreichen wollte.

Zwar hatte die Idee einer Pipeline aus Turkmenistan über afghanisches Gebiet bis nach Pakistan zuerst die argentinische Firma Bridas, die 1995 auch ein erstes Abkommen mit den Regierungen Turkmenistans und Pakistans schloss. Aber die USA, die den Russen das Gas-Öl-Monopol in diesem Raum abjagen wollte, mischten sich über die "Unitet Oil of California (UNOCAL)" schnellstens ein. Etwas störend für die Pipeline-Pläne war der andauernde afghanische Bürgerkrieg. Deshalb nannte Richard Keller, der UNOCAL-Chef, die Einnahme Kabuls in 1996 durch die Taliban auch "eine positive" Entwicklung. Tatsächlich "stabilisierten" die Taliban das Land in jenem Sinne, dass sie es weitgehend unter Kontrolle brachten und "befriedeten". Auch deshalb war die mehr oder minder offene Zusammenarbeit zwischen den Taliban, der Pakistanischen Regierung und US-amerikanischen Stellen lange Zeit völlig selbstverständlich. Spätestens mit den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 wurde dieser Kontakt beendet.

Was also macht die Bundeswehr in Afghanistan und in wessen Interesse steht sie dort? Außenminister Fischer versicherte in der Debatte des Parlaments, der Einsatz in Afghanistan habe sich in jeder Beziehung "rentiert". Tatsächlich baut die Bundeswehr schon mal eine Straße oder renoviert Gebäude. Das alles können zivile Hilfsorganisationen besser und billiger. Die deutsche Armee sichert also den von den USA eingesetzten Präsidenten, fungiert als Polizei in der einen Hälfte des Landes und hält den US-Truppen, die in der anderen Hälfte des Landes kämpfen, den Rücken frei. Ständig wird die Zahl deutscher Truppen erhöht, mit dem jetzigen Beschluss um fast 800 Mann; ein Ausstiegszenario, eine politische Lösung sind nicht in Sicht, die Truppen können dort noch Jahre stehen. Für wen sich das wohl "rentieren" mag?

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