Die Ausgangslage ist klar: Irgendwelche Moslems haben ein paar israelische Soldaten entführt. Während in anderen Entführungsfällen - armselige Bankräuber nehmen 30 Geiseln, um mit ihrer Beute sicher wegzukommen, ein durchgeknallter Familienvater nimmt Frau und Kinder in Geiselhaft weil er überschuldet ist - Polizeipsychologen einsetzt und alle Aktivitäten möglichst einfühlsam vorgenommen werden, um das Leben der Geiseln zu retten, ist es im Fall israelischer Soldaten natürlich anders. Denn der Staat Israel ist keine sorgende Familie oder mindestens eine sensible, auf das Leben ihrer Bürger bedachte Polizeibehörde. Israel ist ein Staat. Ein Staat, der auf sich hält, bringt erst einmal ein paar Leute um, bevor er verhandelt. Natürlich nicht die Täter, die kennt ja keiner so genau. Sondern die potentiellen Täter.

Potentielle Täter wohnen, das ist verbürgt, erstrangig im Rest-Palästina, also jenem Streifen Erde, in dem etwa zweitausend Jahre lang fast nur Palästinenser gewohnt haben und später, unter dem Eindruck eines mörderischen deutschen Verbrechens, der Staat Israel entstanden ist. Aber diese Restpalästinenser sind nicht die einzigen potentiellen Täter. Auch im angrenzenden Libanon wohnen mögliche Entführer. Natürlich sind nicht alle Libanesen Entführer israelischer Soldaten. Wahrscheinlich sind es, Befehlsstrukturen und engere Sympathisanten eingerechnet, drei- bis fünftausend, aber warum wohnen auch die anderen Libanesen dort, warum leben die mit diesen radikalen, möglichen Entführern zusammen? Mitgewohnt, mitgebombt.

Hier wird eine Autobahn zerbombt, dort ein Grenzübergang, hier ein Flughafen, dort ein Radiosender oder ein Treibstofflager: Jeder weiß, solche Aktionen treiben die Entführer aus ihren Verstecken, das bringt die Geiseln wieder nach Hause, das ist der Anfang der Lösung der Nahostprobleme. Aber da die Entführer wahrscheinlich islamischen Glaubens und arabischer Herkunft sind, reicht dieser gut gemeinte Beginn kaum. Was, wenn die Geiselnehmer ihre Basen in Syrien haben, ihre ideologische Hintermänner im Iran, ihre Sympathisanten in Ägypten oder Jordanien und im Sudan und ihre Geldgeber in Saudi Arabien? Dann bleibt dem armen Staat Israel nichts anderes übrig, als auch diese Länder mit Raketen und Bomben zu zerlegen. Das ist zwar aufwendig, aber völlig effektiv.

Denn wenn rund um Israel alle islamischen Zentren und staatliche Strukturen in Schutt und Asche liegen, dann kann mit der so pädagogisierten Bevölkerung eine demokratischer Neuaufbau beginnen. Das mag kostspielig sein, aber, wie wir gerade im Irak sehen, ist das total erfolgreich: Nur wenige Monate, nachdem die USA die Endlösung der Nahostfrage im Irak begonnen hatten, gab es deutlich weniger Irakis. Und, Sie werden mir sicher zustimmen, weniger Araber machen weniger Probleme. Die USA hatten, in ihrer Gründungsphase, mit den versehentlich auf ihrem Staatsgebiet wohnenden Indianern ähnliche Probleme wie heute die Israelis mit den Arabern. Machen die Indianer heute noch ernsthafte Schwierigkeiten? Also.

Sicher, es gibt einen kleinen, historischen Unterschied: Während damals religiöse Dissidenten, Kriminelle und Huren aus britischen Gefängnissen und später arme, missliebige Schlucker aus aller Herren Länder die USA besiedelten, haben wir heute für die endgelösten arabischen Territorien noch keine neuen Siedler. Aber in den europäischen Vorstädten, den Slums der USA und in einer Reihe armer asiatischer Staaten gibt es genug Sozialmasse, die in die befreiten Gebiet umzusiedeln wäre. Mit Freiwilligkeit ist nicht zu rechnen, aber wer sollte sonst die so notwendigen Öl-Anlagen betreiben?

Zu bedenken ist allerdings, dass viele europäische Vorstädte zur Zeit von Türken und Arabern besiedelt sind und auch nicht wenige Schwarze in den USA einer muslimischen Glaubensrichtung angehören. Möglicherweise werden, um erneute islamische Umtriebe zu verhindern und das Existenzrecht Israels zu sichern, der Umsiedlung eine Reihe von Umerziehungslagern vorgeschaltet werden müssen. Das mag sich inhuman lesen, ist aber nur eine logische Folge einer notwendigen Befriedungspolitik.

Die besonders kluge Kanzlerin Deutschlands sieht das auch so. Am Rande des G-8-Gipfels hat sie bedachtsam zum Nahostkonflikt gefordert: Dass vorab die entführten israelischen Soldaten freigelassen, dann alle Angriffe auf Israel eingestellt werden müssen und sich Israel erst dann aus dem Libanon und dem Palästinensergebiet zurückziehen soll. Nur so redet man mit Entführern: "Erst schießen Sie sich bitte durch den Kopf, dann verlassen Sie mit erhobenen Händen die Bank, falls ihre Geiseln zu diesem Zeitpunkt versehentlich noch leben sollten, wollen Sie diese bitte rechts vor dem Eingang der Bank sorgsam abgelegt werden." Soweit zur Weltpolitik.

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