Das wird schön: zwei Freundinnen von George W. Busch treffen sich in Berlin. Die eine, unsere Angela, stand schon damals, als der Präsident der USA mal eben im Irak aufräumen wollte, fest an der Seite der Supermacht. Die andere erklärte dem Präsidenten damals wie auch heute, wo er seine Kreuzchen machen muss, damit die US-Administration funktioniert.

Heute, ein paar tausend Tote im Irak später, kommt die Außenministerin der USA in die Bundesrepublik Deutschland, um alles klarzustellen. Nein, nicht warum vom Boden der Bundesrepublik alle paar Tage ein Flieger in die Billig-Folter-Länder startet. Auch nicht, warum deutsche Staatsbürger von CIA-Teams eingefangen und entführt werden. Frau Dr. Rice wird Frau Dr. Merkel erklären, wer die Chefin ist und wenn es Frau Merkel noch nicht klar sein sollte, weiß sie spätestens nach diesem Gespräch, dass sie es nicht ist.

Immerhin könnte Frau Rice auspacken: Wer alles in Deutschland, außer dem Ex-Innenminister Schily, von den illegalen Flügen und dem Export von Gefangenen gewusst hat. Damit auch die neue deutsche Regierung, die ja in weiten Teilen die alte ist, erst ja nicht aufmuckt, hat die US-Außenministerin schon vor ihrem Flug nach Deutschland keine Missverständnisse aufkommen lassen: »Wir können nicht Informationen diskutieren, die den Erfolg von Geheimdienstarbeit, Strafverfolgung und Militäreinsätzen gefährden würden.« Und: »Wir erwarten, dass sich die anderen Nationen dieser Ansicht anschließen.«

Strammgestanden und zugehört Dr. Merkel: Frau Dr. Rice will keine Gequatsche über nationale Souveränität, über Völkerrecht und deutsche Gesetze hören. Sie will Gehorsam. Es lohnt sich immer der ehrgeizigen Condoleezza zuzuhören. Schon als Sicherheitsberaterin des US-Präsidenten entwarf sie eine Art amerikanischer Breshnew-Doktrin der eingeschränkten nationalen Souveränität von Vasallenstaaten: Um »demokratische Gesellschaftssysteme« zu fördern, solle notfalls auch »militärische Gewalt« eingesetzt werden. Warum nur kommt mir der alte deutsche Spruch `Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein´ in den Sinn?

Vielleicht weil die Rede von Dr. Rice vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Senats zur Strategie im Irak so angenehm direkt ist: »Wir haben aus erfolgreichen ähnlichen Maßnahmen in Afghanistan gelernt...« Erfolgreich in Afghanistan, das bedeutet ein paar Bombardements mehr, eine solide Kooperation mit deutschen Spezialtruppen, »befreite« Zonen und rundherum Bürgerkrieg, eine entzückende Perspektive für alle Beteiligten.

In unserem schönen Land wachsen leider jene gelben Früchte nicht, nach denen manche Republiken Lateinamerikas benannt werden. Aber die kolonialen Kommandostrukturen, die dieser oder jener US-Präsident gegenüber den Latino-Ländern auszuüben pflegt, haben nun, Europa, Deutschland erreicht. Dankbar dürfen wir uns jetzt Gurkenrepublik nennen, nicht nur, weil dieses Gemüse der Banane in der Form am nächsten kommt, auch, weil die jetzige deutsche Regierung eher den Gurkentruppen in der Fußballprovinz gleicht, als den wirklich professionellen Teams, die international mitspielen dürfen.

Kommentare (0)

Einen Kommentar verfassen

0 Zeichen
Leserbriefe dürfen nicht länger sein als der Artikel
Anhänge (0 / 3)
Deinen Standort teilen
Gib den Text aus dem Bild ein. Nicht zu erkennen?
Bisher wurden hier noch keine Kommentare veröffentlicht